Sightseeing und Trekking in Norwegen

Lange mussten wir - Martina und Flavian - warten bis es endlich in die wohlverdienten Ferien ging, umso mehr freuten wir uns auf unsere Reise in den Norden. Zuerst ging es zum Sightseeing nach Oslo und danach zum Trekking in den Saltfjellet-Svartisen-Nationalpark und auf die Lofoten.

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Wir konnten unsere Ankunft in Oslo kaum erwarten. Dem Pilot ging es wohl ähnlich: Er musste bei der Landung extrem stark abbremsen um gerade noch die richtige Ausfahrt zum Gate zu kriegen.

Die leider gesperrten Eingänge zum grossen Saal (Bild: Flavian Imlig)

Oslo überrascht mit moderner und faszinierender Architektur, so zieht uns das neue Opernhaus magisch an mit seiner schiffähnlichen Form, mit seinen schrägen und aufeinandergeschichteten Bodenflächen, mit seinem holzigen Innenausbau. Leider war musikalisch nichts los: Sommerpause!

Fähren – die eine grösser als die andere - fahren in Oslo ein und aus. Wir kontrollieren die Manövrier- und Parkfähigkeiten der Kapitäne und entschliessen uns, am nächsten Tag ebenfalls aufs Meer zu fahren. Mit einem Touristenkutterli fahren wir auf die Halbinsel Bygdøy, um das Wikingermuseum anzupeilen, das wir dann trotzdem nicht besuchen. Nach längerer, eher hoffnungslos scheinender Suche („Privat, kein Zugang“) findet Flavian doch noch einen Pfad zum Meer. Wir beobachten belustigt eine Fotografin und ihr vermeintliches Model, wie sie sich in Szene setzt. Um unsere Museumslücke auszugleichen, besuchen wir das Maritimt Museum für Seefahrt.

Flavian auf dem Startbänkli der kleinen Holmenkollen-Schanze (Bild: Flavian Imlig)

Ui, ist das hoch. Wir, erst der mutige Flavian, dann die etwas weniger zuversichtliche Martina, sitzen auf dem Startbänkli der kleinen Sprungschanze des berühmten Holmenkollen. Imposant ragt die grosse Sprungschanze in den Himmel, wir bewundern sie von allen Seiten, sie entschädigt uns locker für den etwas mühsamen Aufstieg zum Holmenkollen-Hügel, der wegen Baustelle nur zu Fuss erreichbar ist. Wirklich? Kaum sind wir endlich oben lädt plötzlich ein längeres Vehikel auf Rädern direkt vor der Schanze Passagiere ein- und aus! Wir nehmen es locker und sehen unseren kleinen Fussspaziergang als Training für unser Trekking.

Unser Entscheid, ins vermeintliche Nichts nach Bodø zu fliegen (7. Juli) wird belohnt mit einem wunderschönen Flug über sonnenbelichtete Inseln und Fjorde und einer Landung fast auf dem Meer. Nach der Zugfahrt ins Landesinnere nach Rognan starten unsere Rucksäcke und wir mit etwas Proviant sofort Richtung Berge. Nach längerer Suche, wo denn unser geplanter Weg wohl startet, entschliessen wir uns für direkt, steil und schnell hoch. Nach über zwei Stunden Marsch sind wir fix und fertig, die ersten Blasen haben uns schon eingeholt und wir fragen uns wie wir unsere 20-Kilogramm-Rucksäcke über mehrere Tage tragen sollen. Unseren ersten Zeltplatz finden wir mitten im Wald entlang der Strasse. Hier begrüssen uns unsere neuen zahlreichen Freunde, stechen ist ihr Hobby. Gegen unser Luxuszelt kommen sie allerdings nicht an, und so verbringen wir die Nacht getrennt, sie aussen am Zelt, wir drinnen.

Der lang ersehnte Strand (Bild: Flavian Imlig)

Am nächsten Tag (8. Juli) starten wir motiviert unsere nächste Etappe, es ist schön und warm. Warm? Heiss! So empfinden es zumindest die weiblichen Einheimischen im reiferen Alter, die beide mit Hund und im BH unterwegs sind. Erst etwas erstaunt über Gäste in ihrem Revier begrüssen sie uns freundlich und versprechen uns in ca. 1 Stunde Marschzeit einen wunderschönen See mit Beach, dem Kvitbergvatnet. Nach mehr als 2 Stunden und langsam schon wieder sinkender Vorfreude schaffen wir es doch noch zum versprochenen Paradies und stellen unser Zelt nahe dem See, der von einigen in Norwegen typischen Kabinen umgarnt ist, auf. Wir baden mutig und nur kurz im eiskalten See, starten den Gaskocher, machen Wäsche und werden das erste Mal vom Wetter überrascht. Regen! Wir lernen: immer erst das Zelt aufstellen, dann den Kocher starten. Ob das Zelt wohl hält bei Sturm? Eine Frage, die Flavian die ganze Nacht beschäftigt. Martina weniger, sie schläft!

Umgehung eines Schneefeldes (Bild: Flavian Imlig)

Am nächsten Tag (9. Juli) gibt’s eine Katzenwäsche im See. Ob die wohl auch so freizügig ausgefallen wäre, wenn wir gewusst hätten, dass eine ganze Kinderhorde mit Eltern in der Nähe unseres Zeltes eine Kabine bewohnen und den ganzen Tag am und im See verbringt? Unsere Route führt uns zu einem kleineren See, dem Øvre Oksvatnet, der uns als Rast- und Mittagsschlafplatz dient und danach weiter entlang des Berges Gamdalsfjellet, der uns einen gemütlichen Fussmarsch geradeaus erlaubt mit toller Tal- und Bergübersicht. Der Pfad führt uns durch die überall verbreiteten Sträucher, durch Sumpflöcher und über zahlreiche sprudelnde Bergquellen, die aus den weiter oben gelegenen Schneefeldern fliehen. Mit den vermeintlich sicheren und einfach zu überquerenden Schneefeldern kamen wir, oder eher Flavian, später an diesem Tag noch näher in Kontakt. Nach gründlichem Testen der weissen Bodenfläche spazierte Flavian wohlgemut über sie hinweg, doch nach nur ca. 2 m stürzte er mitten durch die Schneedecke ein und landete mit beiden Füssen im heimlich darunter gelegenen Fluss. Glücklicherweise unverletzt und immer noch relativ frohen Mutes gehen wir weiter, die weissen trügerischen Flächen umrunden wir seither grosszügig. Die Tagesetappe war einfach, aber lang. Müde parkieren wir deshalb unser Zelt 50 cm neben dem Wanderweg und ca. 5 m vor dem nächsten zu überquerenden Fluss, den wir nach zahlreichen mehr oder weniger elegant bereits gemeisterten immer noch kalten Strömungen heute nicht mehr schaffen. Etwas unwirsch flaniert eine Gruppe Einheimischer mit Husky an uns vorbei und meint schroff, der nächste Zeltplatz wäre nur eine weitere halbe Stunde entfernt. Wir fragen uns, ob wir uns vielleicht doch nicht alle Zeltregeln zu Gemüte geführt haben und gegen eine verstossen, bleiben aber dort und beobachten interessiert die Gruppe, wie sie wohl diesen grösseren Fluss mit nur wenigen herausragenden Steinen als Überquerungshilfe meistern werden. Da lernen wir die hier einheimische und übliche Trekkingart kennen: Man läuft einfach geradeaus, egal wie nass und dreckig die Schuhe und deren Inhalt dabei werden. Wir freunden uns erst ganz am Schluss unserer Route mit dieser Art an, nicht ganz freiwillig. Wir Schweizer, etwas eitel, üben am Abend noch fleissig, barfuss, die Flussüberquerung, um am nächsten Tag gewappnet zu sein.

Atemberaubender erster Blick auf den spiegelnden See (Bild: Flavian Imlig)

Nach einer ruhigen Nacht starten wir (10. Juli), holen unsere gestern noch fleissige Norwegergruppe und deren angepeilte Hütte, die Bjellavastua, bald ein und sind kurz darauf überwältigt vom wunderschönen See Nordre Bjøllåvatnet, der mit seiner glatten Oberfläche die Bergkulisse spiegelt. Wir wandern über längere Zeit ihm entlang und kochen unser verdientes Süppli neben der ersten Notschutzhütte, die wir hier antreffen, der Steinbua. Flavian verwöhnt seine Füsse mit der allseits beliebten und nicht mehr wegzudenkenden Fusscrème. Die Etappe war wieder lang, Martina etwas am Ende ihrer Kräfte und Flavian bemüht, für sie in diesem eher unwegsamen Gelände mit den langsam aber sicher von uns verachteten Sträuchern einen Zeltplatz zu finden. Er findet einen; und was für einen: Mitten im Fjell, zwischen Flüssen, Bergrücken und Hügeln, so beeindruckend, dass selbst die Norwegergruppe, die bald darauf, nicht mehr flanierend, sondern höchst eilend an uns vorbeispurtet (Sie werden von einem Gewitter verfolgt und müssen doch noch ein Stück Strecke bewältigen um zu ihrer nächsten Hütte zu kommen), staunend verharrt und sich um einiges freundlicher mit uns unterhält. Sie seien alle miteinander verwandt und trekken schon fast traditionsmässig jedes Jahr miteinander. Beruhigt, als sie hören, dass wir Schweizer sind und somit immerhin Berge kennen sollten, wandern sie weiter. Die Winde wechseln freudig in alle Richtungen, es gewittert hier und es gewittert da, bei uns nicht! Doch am späteren Abend bleiben auch wir nicht mehr verschont, es chutet. Unser Zelt beweist sich gut, es hält was es verspricht, kein Tropfen müssen wir erdulden und die Mücken hat es schon längst in alle Richtungen verweht. Bleibt nur die Frage, wo bleiben denn nun diese bekannten grossen Tiere, Elche, Rentiere und andere? Wir sehen ihre Fussspuren, wir finden Geweihe, aber Tiere? Abgesehen von den Vögeln, die bei unserem Auftauchen permanent ihre Warnrufe aussenden, von den Moorhühnern, die mit ihren Jungen aufgeschreckt in alle Richtungen fliehen, den Mäusen und Fröschen haben wir noch nicht viel lebendiges zu Gesicht bekommen. Das Tier, auf das Martina versehentlich draufgetreten ist, war offenbar ein Lemming, wie wir später von Trekkingleuten erfahren. Manchmal, in sogenannten Lemmingjahren, kann das Trinken aus den zahlreichen Bächen gefährlich werden, da viele tote Lemminge in die Bäche fallen und das Wasser verseuchen.

Martina kocht uns Pilzrisotto (Bild: Flavian Imlig)

Am nächsten Tag (11. Juli), die Nacht war kalt und stürmisch, geht es weiter über die Hütte Midtistua, die wir abgeschlossen und leer vorfinden zur Saltfjellstua. Endlich dürfen wir auch einmal in eine solche Hütten hineinblicken, die Norwegergruppe nennt sie heute ihr Heim und zeigt sie uns stolz. Sehr gepflegt, gross, mit abgetrennter Küche, Kojen und Wohnzimmer macht das Haus Eindruck, doch wir finden es fast übertrieben und bleiben unserem Zelt treu, vorläufig. Wir wandern weiter nach Süden Richtung Bolna, nachdem wir realisierten, dass wir noch genügend Zeit haben um nicht schon jetzt wieder Richtung Zivilisation zurückkehren zu müssen, ins ursprünglich angepeilte Lønstal. Mit der Kompromiss-Route nach Semska können wir uns nicht anfreunden, da sie hoch durch die Berge führt, das Wetter unkonstant und kalt zu bleiben scheint und wir mit unseren etwas zu schweren Rucksäcken eher für flache als steile Wege geeignet sind. Die Norwegergruppe wählt diese Kompromisslösung und wird uns also nicht weiter begegnen. Der Rest der Etappe zeichnet sich durch sumpfige und steinige Pfade aus, das Gelände ist aber mit seinen vielen grünen Hügeln, seinen zahlreichen Birken und seiner Enge durchaus sehenswert und anscheinend typisch für den Saltfjellet-Nationalpark. Nachdem wir wieder einmal einer dieser eiskalten Flüsse durchquert hatten, mussten wir auf der anderen Seite etwas aufwärmen. Nur, jetzt wäre doch die ideale Gelegenheit für die lang ersehnte Haarwäsche! Schwupps und die Kleider sind weg, der Oberkörper wird nach vorne gehalten, die Flasche mit dem Eiswasser wird über dem Kopf ausgeleert, jemand von uns schreit und juchzt gleichzeitig, die Kälte ist brutal. Aber immerhin, nach etwas Shampoo und einem weiteren Schwall Wasser haben beide wieder saubere und nicht mehr juckende Kopfhaut. Super! Wir erreichen eine weitere Notschutzhütte, die Steinstue, und kochen feines Pilzrisotto, und: Wir essen bei Tisch! Wir wandern wieder weiter und erreichen bald unser angepeiltes Ziel, die Krukkista. Wir stellen unser Zelt in die Mitte der Hütten, sie sind leer, aber offen. Wir schauen überall rein und finden eine gute Küche, ein gemütliches Wohnzimmer und sogar eine Sauna. Nichts von alledem werden wir aber benützen. Die heute gemeisterte Etappe, stellen wir mit Erstaunen fest, war kilometermässig die weiteste. Wir brauchen Wasser und finden es in einer sprudelnden Quelle. Die Sonne geht heute, nicht wie üblich erst um 24 Uhr, sondern schon um 19 Uhr unter, wir sind direkt hinter einem Berg.

Gewisse Hängebrücken machen nicht den stabilsten Eindruck (Bild: Flavian Imlig)

Wetterwechsel! Die nächsten Tage bleiben kalt, windig und etwas regnerisch. Unser heutiges Ziel (12. Juli) ist eine Brücke, die uns über einen stark strömenden Fluss auf die andere Seite und in ein neues Tal bringt. Das sollte machbar sein. Wir gehen los, die sumpfigen Stellen werden immer zahlreicher und die Wege immer unkenntlicher, oft müssen wir Umwege in Kauf nehmen, oft werden unsere Füsse trotzdem nass, die Imprägnierung unserer Schuhe ist langsam aber sicher überfordert. Wir überqueren wieder zahlreiche Bäche, die Mücken verfolgen uns mal mehr, mal weniger und nach langem Fussmarsch, wir glauben schon nicht mehr daran, erreichen wir die Brücke, wie so oft eine Hängebrücke, die vor allem bei Martina für etwas Stirnrunzeln sorgt. Nach einem happigen Aufstieg folgt eine zweite Brücke, die so schräg ist, dass wir nicht ganz unbesorgt hinüberbalancieren. Nun geht die Suche nach einem Zeltplatz los, die angepeilte Notschutzhütte, die uns eine warme Nacht bescheren sollte, findet Flavian erst nach langer Suche. Sie stellt sich als unbrauchbar heraus, sie ist zu klein, stinkt und wohl als Jägerunterschlupf gedacht. Also zelten wir mitten im Fjell, es windet stark, so wirklich wohl ist uns dabei nicht. Trotzdem schlafen wir tief und gut.

Unsere erste beheizbare Unterkunft (Bild: Flavian Imlig)

Am nächsten Tag (13. Juli) steigen wir zu einem Gipfel auf 819 müM. Mit unseren riesigen Rucksäcken sind solche Aufstiege nach wie vor eine Herausforderung. Bald werden wir von einem jungen norwegischen Paar eingeholt und gefragt, ob wir die Zeltenden im Fjell gewesen wären. Sie hätten in der Jägerhütte übernachtet. Wie die dort reingepasst haben und schlafen konnten, ist uns schleierhaft. Sie sind leicht bepackt und meinen, sie wollen ebenfalls zur nächsten Hütte, dort essen und dann noch nach Bolna. Wir sind beeindruckt: Sie liefen nicht, sie rannten. Deshalb machen wir uns auch keine Illusionen, als sie meinen, die Hütte sei nur noch maximal 1 Stunde von uns entfernt. Wir rechnen also aus Prinzip mit mindestens dem Doppelten. Doch sie haben Recht, nach ca. 1 Stunde erreichen wir die Raufjelldalskoia. Wir treffen das norwegische Paar wieder (Sie haben schon gegessen und sind bereits am Aufbrechen) sowie einen Vater und seine Tochter aus Deutschland. Wir diskutieren etwas, sind aber froh, als die beiden Deutschen losziehen: Der Vater ist sehr kompliziert und beratungsresistent. Wir geniessen einen herrlichen Nachmittag und Abend in der warmen Hütte, spielen Karten, lesen, kochen und trocknen unsere Sachen. Ebenfalls beobachten wir mit Argusaugen die Landschaft rundherum, sollen doch laut Gästebuch hier schon öfters Rentierherden gesehen worden sein. Vergebens! Die Nacht ist, trotz Hütte, sehr kalt, wir schlafen nicht das erste Mal mit Kappe und Handschuhen. Um 5 Uhr wird es Martina zu bunt, sie weckt Flavian und bittet ihn, Feuer zu machen. Die Begeisterung ist riesig!

In Regenausrüstung über den Polarkreis; von Norden her! (Bild: Flavian Imlig)

Nur mit Widerwillen und erst kurz vor Mittag verlassen wir die trockene Hütte am nächsten Tag (14. Juli) und waten ins Sumpfgebiet. Erst gibt es aber noch ein Erinnerungsfoto unter dem Tor, das den Polarkreis markiert und das ca. 100 m neben der Hütte platziert ist. Wir wandern los, bei hässlichstem Wetter. Laut Informationen der beiden Norweger sollen wir die bald erscheinenden Flüsse nicht direkt überqueren, sondern einen Umweg suchen. Wir versuchen das, doch auch der Umweg scheint uns unangebracht, so durchqueren wir die Flüsse mit Mühe und wenig helfenden Steinen. Martina rutscht aus und verdreht sich den Ellbogen, kurz darauf erwischt es auch Flavian: Er verstaucht sich die Hand und flucht. Wir brauchen lange, um diese Flüsse zu meistern, sind danach streckenmässig immer noch nicht viel weitergekommen und haben nasse Schuhe. Aufgrund des garstigen Wetters machen wir praktisch keine Pausen und steuern direkt Bolna an, das wir nach ca. 4 Stunden endlich erreichen. Wir gönnen uns an diesem Abend die erste offizielle Übernachtung in einer DNT-Hütte. Da treffen wir auf Marianne und Eivind Nedland sowie ihren wunderschönen Husky, die ebenfalls da übernachten. Sie sind ungefähr ein Jahr unterwegs und wollen zu Fuss die nördlichsten, südlichsten, westlichsten und östlichsten Punkte Norwegens erreichen. Wir sind froh, unsere durchnässten Schuhe und Kleider trocknen zu können und geniessen den Austausch mit den Nedlands. Sie laden uns zu Pancakes und Fruchtsalat ein, wir übernehmen den Abwasch. Am nächsten Tag essen wir Kartoffelsuppe zum Frühstück, für die beiden anderen ein weiterer Beweis, dass wir definitiv zu wenig Essen bei uns haben. Sie schenken uns Birchermüesli, Pancakes und Biskuits! Wir sind nicht unglücklich darüber.

Zurück am Meer, besser gesagt am Saltfjorden (Bild: Flavian Imlig)

Am nächsten Tag (15. Juli) müssen wir zurück zu einem bedienten Bahnhof. Der nächste ist 30 km entfernt in Lønsdal. Nach über 2 Stunden Marsch auf einer alten Strasse erreichen wir das Polarzirkel-Zentrum, wo es haufenweise Touristen sowie Kaffee und Gebäck gibt. Flavian braucht sage und schreibe 5 Minuten um eine Mitfahrgelegenheit Richtung Norden zu finden. Ein kleiner deutscher Reisebus, gefüllt mit älteren Damen und Herren, einer missmutigen Reiseleiterin und einem etwas verwirrten Chauffeur, nimmt uns mit. So geht es auf einer heiteren Fahrt nordwärts. Unseren Zielort Lønsdal verpassen wir; es geht alles so schnell im Auto!. Schliesslich werden wir kurz nach Rognan abgesetzt. Weil der Chauffeur die Ausfahrt verpasst, müssen wir eine Stunde zurücklaufen und landen schliesslich beim Fjordcamping in Rognan. Martina macht Grosseinkauf im Laden, wir geniessen Eis und anderes und stellen unser Zelt auf. Die Vorfreude auf eine heisse Dusche, Rasier- und Waschmöglichkeit ist riesig, die Ernüchterung umso grösser, heisses Wasser kostet zusätzlich. Das feine Poulet, das wir in unserer nun doch nicht überflüssig mitgetragenen Bratpfanne herrichten entschädigt aber viel, dazu noch ein Sandstrand direkt vor dem Zelt, was will man mehr. Wir überlegen, wie unsere Reise weitergehen soll, und nach längerem Hin und Her beschliessen wir, den Lofoten einen Besuch abzustatten.

Unser Transportmittel auf die Lofoten (Bild: Flavian Imlig)

Auf das Frühstück müssen wir am nächsten Tag (16. Juli) verzichten, Martina hat verschlafen. Wir eilen zum Bahnhof und warten auf den Zug. Kein Zug! Naja, der hat wohl Verspätung, wir bleiben ruhig. Irgendwann verleidet uns das Warten und wir konsultieren nochmal den Fahrplan: Einziger Zug heute Nachmittag. Na toll, herzlichen Dank an die Beratung im Büro des Campingplatzes. Also gehen wir zurück ins Dorf, hängen an einen See und essen Fischsuppe. Den nächsten Zug kriegen wir und schaffen in Rekordzeit den Umstieg auf die Fähre nach Moskenes. Ebenfalls mit uns: Ein deutsches Pärchen, völlig planlos, das wir leicht belächeln. Auf der Fähre sitzen wir neben einem älteren norwegischen Paar, das uns stolz von ihrem neu gekauften Zelt und weiterer Ausstattung erzählt, die sie aus der Schweiz über Internet bestellt haben. Sie sind voller Vorfreude und tiptop vorbereitet für ihr Kanufahren um die Lofoten. Wir schmunzeln: Da wird die eher untrainierte und noch nie Kanu gefahrene Madame wohl noch etwas auf die Welt kommen. Die Deutschen fackeln nicht lange und gehen zum offiziellen Campingplatz in Moskenes. Wir wollen was Spezielleres und wandern los Richtung Sørvågen. Der Marsch auf Beton entlang der einzigen Strasse gestaltet sich als eintönig und hart. Wir sind froh, finden wir schliesslich um 23 Uhr doch noch einen See mit wunderschöner Zeltmöglichkeit und Aussicht aufs Meer.

Die Aussicht vom höchsten Punkt unserer Wanderung (Bild: Flavian Imlig)

Am nächsten Tag (17. Juli) wandern wir auf einem vielbegangenen Wanderweg hoch in die Berge mit dem Ziel, auf die andere Seite der Insel zu kommen. Die Route ist schön, gut markiert und man geniesst Sicht auf den See und dahinter das Meer, einmalig. Nur: Der Aufstieg wird immer steiler, ist definitiv nicht für grosse Rucksäcke geeignet und irgendwann geht’s nicht mehr weiter. Ein grosser Tritt müsste gemeistert werden, mit unserem Gepäck nach längerer Besichtigung unmöglich. Wir sind frustriert und müssen wieder runter. Am nächsten Tag erfahren wir, dass man auf diesem Weg gar nicht auf die andere Seite gekommen wäre, sprich, wir haben nichts verpasst. Wir verweilen lange am See und geniessen die Sonne und die Aussicht. Wieder an der Strasse laufen wir nach Å, dem Dorf, wo die Strasse endet. In Å finden wir einen Zeltplatz auf der Klippe und ein Bier für 10 Franken. Unglaublich! Wir beobachten Fischer beim Fischeausnehmen, die vom Chef gelegentlich korrigiert werden und staunen über ihre Langsamkeit, ihre Geduld mit den mühsamen Möwen und die persönlichen Handgriffe, die der Chef bei seinen Arbeitern vornimmt (Gürtel vergessen).

Unser 10. und letzter Zeltplatz in Reine (Bild: Flavian Imlig)

Da wir des Laufens überdrüssig werden, nehmen wir am nächsten Tag (18. Juli) den Bus in Richtung Leknes und freuen uns auf die Aussicht vom Bus aus. Flavian kann es geniessen, Martina döst. Wir erreichen die Stadt Leknes, sind enttäuscht und denken: Leck mich, wir fahren nach Ballstadt und wollen von dort das Boot nach Nusfjord nehmen. Der Busfahrer verspricht uns beim Hafen abzusetzen, vergisst uns dann und meint, als wir schon wieder auf der Rückfahrt sind: „Oh, I forgot about you two!“ Thanks! Nach einem kleinen Fussmarsch finden wir heraus, dass das Boot nur einmal täglich fährt, um 11 Uhr. Es ist jetzt 14 Uhr und wir sind genervt. Wir fahren mit dem gleichem Chauffeur zurück nach Leknes, von Leknes nach Reine. Insgesamt eine echte Lofoten-Odyssee! In Reine finden wir unseren letzten Zeltplatz. Er ist wunderschön und auf den Klippen gelegen. Wir essen Pasta carbonara und sind wieder glücklich und zufrieden. Plötzlich hören wir in der Nacht Stimmen, Leute, die um unser Zelt herumgehen. Da haben sich ein paar Jugendliche wohl verirrt. Sie stellen bei Regen ihre Zelte auf. Es dauert ewig. Ob sie danach noch in Partystimmung sind?

Spektakuläres Wetter bei der Rückfahrt nach Bodø (Bild: Flavian Imlig)

Es regnet und stürmt in der Nacht und am nächsten Tag (19. Juli). Wir bleiben im Zelt, lesen und schlafen. Nach dem Mittag klart es auf und wir gehen in Reine fein essen: Fischsuppe und Smørebrød. Danach geht’s heiter zum Boothafen: Wir wollen auf die einstündige Rundfahrt dem Fjord entlang. Das Schiff ist winzig, überfüllt mit Menschen, die Rucksäcke müssen aufs Dach gepackt werden und Stehplätze sind angesagt. Flavian reicht‘s, er will nicht mit. Martina reicht‘s, sie will mit. Nach längerem Hinundher bleiben wir in Reine, als Trost für Martina gibt’s Glace. Wir nehmen später den Bus nach Moskenes, kochen das letzte Mal und nehmen um 19.30 Uhr die kleine Fähre nach Bodø. Die Fahrt ist herrlich: Wunderschöne Abend- und Gewitterstimmung. Wir erreichen Bodø und schlafen im Hostel direkt über dem Bahnhof.

Am nächsten Tag (20. Juli) packen wir. Flavian entleert die Gasdose im Zimmer. Es stinkt unglaublich, da das Fenster dummerweise nur wenig geöffnet werden kann. Wir nutzen den halben Tag für Shopping, erst miteinander dann getrennt. Martina in den Läden, Flavian im Kaffee. Dann geht’s nach langer und etwas gereizter Suche der richtigen Bushaltestelle zum Flughafen. Alles klappt, nur das Sackmesser von Flavian darf wieder einmal per Post in die Schweiz reisen. Wir fliegen verspätet nach Oslo und dann weiter nach Zürich. In der Hofwiesenstrasse heissen uns Jérome und Florian willkommen. Es gibt noch ein Feierabend- und Ferienende-Bier. Norwegen, auf ein andermal!

PS. Gerade weil wir gute zwei Wochen lang unbekümmert durch Norwegen reisen durften, spenden wir umso inniger unser Beileid mit allen Betroffenen der schweren Anschläge in Oslo und auf Utøya vom 22. Juli 2011.

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2 Kommentare zu Sightseeing und Trekking in Norwegen

  1. chris sagt:

    Norwegen ist ein wunderschönes Land. Mein Beileid an die Norweger, die ihre Angehörigen verloren haben.

  2. Imlig Armin sagt:

    Danke für den tollen Reisebericht und die lustigen Kommentare

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